| Bauanleitung Balancer
PROBLEMSTELLUNG
LiPo-Zellen werden üblicherweise in Form von Packs
verwendet. Dabei können LiPos in Reihe bzw. parallel geschaltet werden;
ebenso ist die Kombination beider Verfahren möglich. Ein 2er Pack
LiPo-Zellen in Reihe (2S) beispielsweise ergibt eine Nennspannung von
7.4 Volt und kann mit 8.4 Volt geladen werden.
Da in Reihenschaltungen durch alle Teilnehmer exakt
der gleiche Strom fließt, werden beide Zellen gleichmäßig
entladen bzw. geladen und haben somit auch zu jeder Zeit den gleichen
Ladestatus. Soweit die Theorie.
In der Praxis sind LiPo-Zellen nie exakt gleich und driften
daher langsam aber sicher auseinander. Dieses Auseinanderdriften macht
sich durch verschiedene Leerlaufspannungen der einzelnen Zellen bemerkbar.
Beim Laden des Packs kann es nun passieren, dass die vollste Zelle bereits
ihre 4.2 Volt Ladeschlußspannung erreicht hat während die anderen
Zellen noch unterhalb liegen. Das Laderät erkennt jedoch nur die
Gesamtspannung und lädt folgerichtig weiter. Die bereits volle Zelle
wird überladen. Ein Überladen von LiPo-Zellen muß unter
allen Umständen verhindert werden, anderenfalls reichen die Folgen
von der Schädigung der Zellen bis hin zur Explosion mit anschließendem
Brand.
Die technische Lösung gegen Überladen von LiPo-Zellen
ist recht einfach. Pro Zelle muß lediglich eine Elektronik angeschlossen
werden, welche die Zellenspannung überwacht und auf 4.2 Volt begrenzt.
Die Elektronik wandelt dabei überschüssigen Ladestrom in Wärme
um. Ein solcher Spannungsbegrenzer wird als Balancer bezeichnet.
SCHALTUNGSBESCHREIBUNG
Die Schaltung besteht aus einem Regler, welcher die Eingansspannung
(Istwert) mit dem Sollwert 4.2 Volt vergleicht. Wird der Sollwert
überschritten greift der Regler mittels Leistungstransistor ein und
begrenzt die Spannung auf den Sollwert.
Nun zu den Details.
Die Eingansspannung Vin gelangt über die Diode D3
in die Schaltung. Dadurch ist der Aufbau gegen Verpolen geschützt.
Im linken Teil des Schaltplans befindet sich ein LM-317.
Dieser Spannungsregler wird als Referenzspannungsquelle benutzt und liefert
an Pin2 eine geregelte Spannung von ca. 1.2 Volt. Diese 1.2 Volt gehen
als Sollwert auf den Regler (LM-358, Pin 2).
Der LM-317 benötigt lt. Datenblatt einen Mindestlaststrom
von ca. 10mA, daher der auf den ersten Blick sinnlos erscheinende R1.
Über den Spannungteiler R2/R3-R4 gelangt die Istspannung
auf den Regler. Der Spannungsteiler ist so dimensioniert, das 4.2 Volt
Akkuspannung 1.2 Volt am Reglereingang ergeben, also mit der Referenzspannung
übereinstimmen.
Der eigentliche Regler, welcher auf die Abweichung
von Ist und Soll reagieren muß, wurde mittels einer einfachen OP-Standardschaltung
realisiert und besteht aus dem LM-358, C4 und R5. Es handelt sich dabei
um einen sogenannten I-Regler. Herausragendes Merkmal dieses Reglertypes
ist seine geringe Regelabweichung (fast 0).
Als letztes der Leistungsteil: Über R6 ist der Leistungstransistor
T1 mit dem Reglerausgang verbunden. Aufgabe dieses Transistors ist die
Ableitung des überschüssigen Ladestroms; er begrenzt die Akkuspannung
auf den gewünschten Wert. C5 dient der Verlangsamung des Regelkreises
und verhindert sein Schwingen.
Die Schaltung unterscheidet zwei Zustände: Der Balancer
ist aktiv bzw. ist nicht aktiv.
Nachfolgend zwei Beispiele für die Arbeitsweise
der Schaltung:
-
Fall 1: Es liegen 4.15 Volt an, der Balancer
ist nicht aktiv.
Der Sollwert des Reglers beträgt 1.2 Volt, der Istwert am Regler
liegt knapp unterhalb von 1.2 Volt. Die Spannung am (+) Eingang des
LM-358 ist niedriger als die Spannung am (-) Eingang. Der Ausgang
des LM-358 beträgt demzufolge 0 Volt und der Transistor bleibt
gesperrt. Nichts passiert.
-
Fall 2: Es liegen 4.21 Volt an, der Balancer
ist aktiv.
Der Sollwert des Reglers beträgt 1.2 Volt, der Istwert am Regler
liegt knapp oberhalb von 1.2 Volt. Die Spannung am (+) Eingang des
LM-358 ist höher als die Spannung am (-) Eingang. Der Ausgang
des LM-358 beginnt demzufolge verzögert (C4!) Richtung maximaler
Ausgangsspannung (ca. 3.5 Volt) zu laufen.
Ab ca. 2 Volt Reglerausgangsspannung wird der Transistor leitend und
beginnt mit der Begrenzung der Eingangsspannung Vin. Begrenzt er zuviel,
läuft die Reglerspannung wieder Richtung 0 Volt. Nach dem sogenannten
Einschwingvorgang (Nachteil des I-Reglers) ist der Sollwert gleich
dem Istwert und die Einganspannung Vin ist exakt auf 4.2 Volt begrenzt.
Kleinere Änderungen gleicht der Regler permanent ohne weitere
Einschwingvorgänge aus.
Eine Status-LED wurde über einen weiteren OP realisiert.
Der Balancer ist aktiv, sofern T1 leitend ist. Dazu muß der Reglerausgang
aber deutlich über 1.2 Volt liegen. Diese Spannung wird zur Bedienung
der Status-LED abgefragt. Bei mehr als 1.2 Volt am Reglerausgang betätigt
der OP-Ausgang Pin7 über R8 eine LED.
AUFBAU
Wir empfehlen die Herstellung entsprechender Platinen.
Sofern die von uns vorgeschlagenen Platinen vorliegen, ist der Aufbau
nach Bestückungsplan vorzunehmen. Bis auf R3 können alle Bauteile
in beliebiger Reihenfolge eingelötet werden.
Ob IC2 gesockelt oder eingelötet wird ist reine Geschmackssache.
Tatsache ist jedoch, dass jede Steckverbindung eine potentielle Störquelle
darstellt.
Beim Bestücken sollte sorgfältig vorgegangen
werden, ein verkehrt eingelötetes Bauteil wieder auszulöten
ist recht aufwendig. Bei fehlender Erfahrung kann die Platine dabei Schaden
nehmen.
Ein Aufbau auf Lochraster ist problemlos möglich, ist aber aufwendiger
und vor allem fehleranfälliger.
IN BETRIEBNAHME
Zur Inbetriebnahme wird ein Multimeter sowie ein regelbares
Netzteil mit Strombegrenzung benötigt. Das Netzteil wir auf ca. 10
Volt eingestellt, die Strombegrenzung sollte bei ca. 250 mA liegen.
Die Schaltung kann jetzt an das Netzteil angeschlossen
werden. Sollte die Netzteilspannung zusammenbrechen, liegt ein Bestückungsfehler/Kurzschluss
vor. Der Ruhestrom der Schaltung in dieser Phase beträgt wenige mA
und ist daher an den Netzteilinstrumenten (sofern vorhanden) nicht zu
bemerken.
Jetzt wird das Multimeter (Meßbereich Spannung,
20 Volt) nahe der Platine an die Versorgungsspannung angeschlossen. Das
Multimeter zeigt die Netzteilspannung an.
Nun muß durch Probieren der passende Wert für R3 ermittelt
werden. Dazu einfach mit der Hand nacheinander die Werte 1k, 1k2, 1k5,
1k8, 2k2 an die entsprechende Stelle auf der Platine halten. Am Multimeter
erscheint jeweils die Begrenzungsspannung des Balancer. Der
Wert, welcher die beste Näherung an die gewünschte Spannung
ergibt, kann anschließend eingelötet werden. Dabei ist folgendes
zu beachten:
Die Ladeschlußspannungen der einzelnen Ladegerätehersteller
differieren etwas. Orbit liegt bei 4,20 Volt/Zelle, Schulzegeräte
liegen lt. den uns vorliegenden Informationen bei 4,25 Volt/Zelle (Siehe
Schulze-Homepage). Damit das Ladegerät nicht zum Ladeschluß
hin in die Balancer reinläd sollte die Balancerspannung ca. 10 -
20 mV über der Ladegerätespannung liegen.
Jetzt können einige Versuche unter Vollast gefahren
werden. Dazu muß der Transistor allerdings über ein Kühlblech
verfügen. Das Netzteil auf 0 Volt stellen, maximalen Strom wählen
(max 4A!) und die Spannung langsam hochdrehen. Der Balancer muß
bei der festgelegten Spannung schlagartig einsetzen.
An dieser Stelle noch ein Hinweis zur eigenen Sicherheit.
Während der Inbetriebnahme ist der Einsatz eines Netzteils mit einstellbarer
Strombegrenzung obligatorisch. Im Fehlerfalle fließen ansonsten
Kurzschlußströme, welche die Schaltung in Sekundenbruchteilen
zerstören.
Eine zu Testzwecken angeschlossene LiPo-Zelle könnte in Brand aufgehen.
LiPo-Zellen dürfen erst dann angeschlossen werden, wenn die Schaltung
am Netzteil einwandfrei funktioniert. Die ersten Ladevorgänge mit
Balancer sollten nur unter Aufsicht mit parallel angeschlossenem Voltmeter
durchgeführt werden.
KENNLINIE (LOGARITHMISCH !!)

PRAKTISCHER EINSATZ
Die Platinen lassen sich über die 4 Eckbohrungen
bequem stapeln und so in ein Gehäuse einbauen. Da mehr als zwei Kabel
mit dem Akkupack verbunden werden müssen, fällt die übliche
Goldsteckerlösung aus. Es können Multiplexstecker bzw. SUB-D
Stecker verwendet werden. Man sollte das Ladegerät mit dem Balancerpack
verbinden und von dort aus über besagten Mehrpoolstecker auf ein
passendes Ladekabel gehen. Fertigt man pro Packgrösse ein passendes
Ladekabel an, ist ein fehlerfreier Umgang mit den Lipos garantiert.
STÜCKLISTE
Nachfolgend die für den Balancer benötigten
Teile. Es handelt sich um Standardbauteile, welche in jedem gut sortierten
Elektronikgeschäft zu bekommen sind.
Es ist ohne weiteres möglich, von unserer Liste
abweichende Komponenten zu benutzen. Dann sollten allerdings gute Elektronikkentnisse
vorhanden sein. Desweiteren sollten die Auswirkungen der durchgeführten
Änderung mit entsprechenden Meßgeräten beurteilt werden.
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R1
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150
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Metallfilm |
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R2
|
22k
|
Metallfilm |
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R3
|
???
|
Metallfilm, siehe Text |
|
R31
|
???
|
Metallfilm, siehe Text |
|
R4
|
10k
|
Metallfilm |
|
R5
|
10k
|
Metallfilm |
|
R6
|
270
|
Metallfilm |
|
R7
|
100k
|
Metallfilm |
|
R8
|
120
|
Metallfilm |
|
R9
|
0
|
Drahtbrücke |
|
R10
|
0
|
Drahtbrücke |
| |
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|
|
C1
|
100nF
|
Ceramik |
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C2
|
100nF
|
Ceramik |
|
C3
|
100nF
|
Ceramik |
|
C4
|
10nF
|
MKT |
|
C5
|
100nF
|
Ceramik |
|
C6
|
1uF
|
Tantal |
| |
|
|
|
IC1
|
LM317L
|
|
|
IC2
|
LM358AN
|
|
| |
|
|
|
D1
|
1N4148
|
oder andere Diode |
|
D2
|
LED
|
rote Leuchtdiode |
|
D3
|
SB 550
|
oder andere Schotkydiode > 3A |
| |
|
|
|
T1
|
TIP142
|
NPN-Darlington ! |
PLATINE AUS "Der Modellflieger"
 |
 |
|
TIFF: 57,15 mm * 44,45 mm
|
TIFF: 57,15 mm * 44,45 mm
|
PLATINE VON akkuRAT
 |
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|
TIFF: 47,14 mm * 35,69 mm
|
TIFF: 47,14 mm * 35,69 mm
|
HINWEIS
Die hier abgebildeten Grafiken liegen im
JPG-Format vor. Hinter jeder Grafik befindet sich ein hochauflösendes
TIF. Dieses TIF kann mit jedem Grafikprogramm importiert, skaliert und
anschließend ausgedruckt werden. Mit einem handelsüblichen
Laserdrucker lassen sich auf lasertauglichen Folien reprofähige
Ergebnisse erzielen.
Da das Routing bewußt in dicken Leiterbahnen
erfolgte, eignet sich die Balancerplatine hervorragend für erste,
eigene Ätzversuche.
November 2004, AK & UF
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